Meine 25 Jahre in der Neurochirurgie sind nicht bloß die Geschichte der Ausübung eines Berufs — sie sind die Geschichte des Aufbaus einer Philosophie. Im Kern dieser Philosophie steht folgende Überzeugung: Technologie ist das schärfste Instrument in den Händen eines Chirurgen, aber was ihr Bedeutung verleiht, ist die Fähigkeit, den Menschen hinter jedem Patienten zu sehen.
Nach dem Abschluss meines Medizinstudiums an der Çukurova-Universität absolvierte ich meine Facharztausbildung an der Dokuz Eylül Universität. Anschließend zog ich in die Vereinigten Staaten, wo ich am Barrow Neurological Institute — einem der weltweit führenden neurochirurgischen Zentren — die Möglichkeit hatte, mich auf Wirbelsäulenbiomechanik zu spezialisieren. Diese Erfahrung hat meine chirurgische Denkweise von Grund auf verändert: Sie lehrte mich, die Wirbelsäule nicht nur als anatomische Struktur, sondern als ein vollständiges Bewegungssystem zu betrachten.
Der Professorentitel, den ich 2020 erhielt, war kein Ziel — er war eine Schwelle, an der die Verantwortung schwerer wurde. Die Bereiche, auf die ich mich in meiner akademischen Laufbahn konzentriert habe — Wachkraniotomie, endoskopische Schädelbasischirurgie und tiefe Hirnstimulation (THS) — treffen sich in einem gemeinsamen Nenner: die neurologische Integrität des Patienten zu bewahren und dabei das Trauma, das jede Operation unweigerlich verursacht, auf ein Minimum zu reduzieren. Genau deshalb habe ich Neuronavigation und intraoperatives neurophysiologisches Monitoring in meine Routinepraxis integriert. Technologie ist in diesem Zusammenhang kein Mittel zur Zurschaustellung — sie ist die Grundlage für die Planung eines sicheren, vorhersehbaren und individuell zugeschnittenen chirurgischen Weges für jeden Patienten.
Zur Literatur beizutragen ist ein untrennbarer Bestandteil meiner Identität als Kliniker. Meine 68 wissenschaftlichen Publikationen und mehr als 1.800 Zitierungen stellen nicht bloß eine zahlenmäßige Anhäufung dar — sie sind die Spuren einer Gemeinschaft, die gemeinsam denkt, hinterfragt und voranschreitet. Wissen an junge Chirurgen auf nationalen und internationalen Kongressen weiterzugeben betrachte ich nicht als Privileg, sondern als eine generationenübergreifende Verantwortung. Zu lehren bedeutet, sicherzustellen, dass das, was im Operationssaal gewonnen wird, auch im Hörsaal weiterlebt.
Als Ehemann und Vater zweier Kinder hat mir diese Reise noch etwas gelehrt: Selbst der technologisch bestausgerüstete Chirurg beginnt etwas zu verlieren, in dem Moment, in dem er vergisst, dass der Patient auf seinem Tisch ein Mensch ist.
Diese Seite habe ich geschaffen, um chirurgisches Wissen zu teilen — nicht nur mit meinen Kollegen, sondern mit allen, einschließlich Ihnen.
Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu | Facharzt für Neurochirurgie, İzmir