Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu — Gehirn-, Nerven- und Wirbelsäulenchirurgie
Wenn von Gehirn- und Nervenchirurgie die Rede ist, kommen den meisten Menschen nur das Gehirn und die Wirbelsäule in den Sinn. Dabei hat dieses Gebiet noch einen weiteren, sehr wertvollen, aber verhältnismäßig wenig bekannten Zweig: die periphere Nervenchirurgie. Bei einem großen Teil meiner Patientinnen und Patienten, die in meine Praxis kommen und sagen „Meine Hand wird taub, ich wache nachts aus dem Schlaf auf“ oder „Mein Fuß bleibt ständig hängen, es ist, als würde ich gleich stürzen“, liegt das Problem nicht im Gehirn oder in der Wirbelsäule, sondern in der Kompression eines peripheren Nervs, der zum Arm, zum Bein, zur Hand oder zum Fuß führt.
In diesem Artikel möchte ich in klarer Sprache erklären, was periphere Nervenchirurgie ist, bei welchen Erkrankungen sie zum Einsatz kommt, wie sie durchgeführt wird und was sie verspricht und was nicht. Lassen Sie mich gleich zu Beginn etwas Beruhigendes anmerken: Die große Mehrheit dieser Erkrankungen wird mit nicht-operativen Verfahren behandelt; die Chirurgie ist eine Lösung, die bei der richtigen Patientin oder dem richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommt.
Was ist das periphere Nervensystem?
Unser Nervensystem lässt sich in zwei Teile gliedern. Das zentrale Nervensystem besteht aus Gehirn und Rückenmark; es ist die Kommandozentrale. Das periphere Nervensystem hingegen ist das Netz von Nerven, das diese Zentrale verlässt und sich über den gesamten Körper verteilt — ähnlich den Kabeln einer Elektroinstallation, die vom zentralen Punkt in jeden Raum des Hauses führen.
Diese Nerven erfüllen drei grundlegende Aufgaben:
- Bewegung erzeugen (motorisch): Sie tragen den vom Gehirn kommenden Befehl zu den Muskeln; sie ermöglichen es Ihnen, den Finger zu bewegen und zu gehen.
- Empfindung übertragen (sensorisch): Sie leiten Empfindungen wie Berührung, Schmerz, Temperatur und Vibration an das Gehirn.
- Vegetative Funktionen regulieren: Sie steuern unwillkürliche Funktionen wie das Schwitzen und den Gefäßtonus.
Wenn es irgendwo entlang dieser Kabel zu einer Kompression, Quetschung, Durchtrennung oder zu einem Tumor kommt, treten in der Region, die dieser Nerv versorgt, Taubheit, Schmerz, Kraftverlust oder Empfindungsverlust auf. Genau damit befasst sich die periphere Nervenchirurgie.
Was ist periphere Nervenchirurgie?
Die periphere Nervenchirurgie ist das Gebiet, das sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen der peripheren Nerven befasst, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Ihre grundlegenden Ziele sind folgende:
- Befreien (Dekompression): Einen komprimierten Nerv von der auf ihn drückenden Struktur befreien.
- Reparieren: Einen durchtrennten oder verletzten Nerv wieder zusammenfügen oder ihn durch Einbringen von Gewebe (eines Transplantats) dazwischen überbrücken.
- Entfernen: Tumoren entfernen, die auf oder in dem Nerv entstehen.
- Schmerzen lindern: In einigen hartnäckigen Nervenschmerzbildern chirurgische Verfahren anwenden.
Bei welchen Erkrankungen wird die periphere Nervenchirurgie eingesetzt?
Nervenkompressionen (Engpasssyndrome)
Diese Gruppe ist der häufigste Grund für periphere Nervenchirurgie. Der Nerv gerät beim Durchtritt durch einen anatomisch engen Kanal unter Druck. Diejenigen, denen wir am häufigsten begegnen:
- Karpaltunnelsyndrom: Dies ist die Kompression des Nervus medianus am Handgelenk; es ist das häufigste Engpasssyndrom. Es verursacht Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, ein nachts zunehmendes und aus dem Schlaf weckendes Kribbeln sowie in fortgeschrittenen Fällen einen Kraft- und Griffverlust in der Hand.
- Kubitaltunnelsyndrom: Dies ist die Kompression des Nervus ulnaris an der Innenseite des Ellenbogens. Taubheit in Ring- und Kleinfinger, beim Beugen des Ellenbogens zunehmende Beschwerden und im späteren Stadium ein Dünnerwerden der Hand (Muskelschwund) sind zu beobachten. Im Volksmund wird es mit dem Gefühl verwechselt, das man verspürt, wenn der Ellenbogen an den „Musikantenknochen“ stößt.
- Loge-de-Guyon-Syndrom: Dies ist die Kompression des Nervus ulnaris auf Höhe des Handgelenks.
- Kompression des Nervus peroneus: Er wird an der Außenseite des Knies komprimiert; sie führt zu Schwierigkeiten beim Anheben des Fußes nach oben (Fußheberschwäche) und zum Hängenbleiben beim Gehen.
- Tarsaltunnelsyndrom: Dies ist die Kompression des Nervus tibialis am Sprunggelenk; es verursacht Brennen und Taubheit in der Fußsohle.
- Meralgia paraesthetica: Dies ist die Kompression des Empfindungsnervs, der zur Außenseite des Oberschenkels führt, in der Leistenregion; sie erzeugt ein brennendes und taubes Gefühl im Oberschenkel.
- Thoracic-Outlet-Syndrom: Dies ist die Kompression des Gefäß-Nerven-Bündels zwischen Hals und Achselhöhle; es verursacht Schmerzen, Taubheit und Schwäche im Arm.
Nervenverletzungen (traumatisch)
Verletzungen durch scharfe Gegenstände, Glasschnitte, Verkehrsunfälle und Nervenschäden, die Brüche begleiten, fallen in diese Gruppe. Ist ein Nerv vollständig durchtrennt, heilt er nicht von selbst aus; eine chirurgische Reparatur ist erforderlich. Hier ist das Timing sehr wichtig — in manchen Situationen beeinflusst ein frühes Eingreifen das Ergebnis deutlich.
Verletzungen des Plexus brachialis
Dies ist die Verletzung des komplexen Nervengeflechts (des Plexus brachialis), das den Hals verlässt und zum Arm führt. Sie tritt häufig nach Motorradunfällen und Geburtstraumata auf. Dieses Bild, das zu einem schweren Kraftverlust im Arm führen kann, ist ein spezielles chirurgisches Gebiet, das Erfahrung erfordert.
Periphere Nerventumoren
Die meisten der aus der Nervenscheide hervorgehenden Tumoren (wie Schwannom und Neurofibrom) sind gutartig. Ziel ist es, die Nervenfasern beim Entfernen des Tumors so weit wie möglich zu schonen; dies erfordert mikrochirurgische Präzision.
Nervenschmerzchirurgie
Bei einigen hartnäckigen Schmerzbildern (zum Beispiel bei Schmerzen, die von einem nach Operation oder Trauma entstehenden Neurom ausgehen) können chirurgische Verfahren ins Spiel kommen.
Symptome: Was sagt der Körper, wenn ein Nerv komprimiert ist?
Ich frage meine Patientinnen und Patienten oft: „Wo beginnen Ihre Beschwerden, und wohin breiten sie sich aus?“ Denn periphere Nervenprobleme haben eine eigene Sprache:
- Taubheit und Kribbeln in bestimmten Fingern oder einer Körperregion
- Beschwerden, die nachts zunehmen und beim Schütteln der Hand vergehen (das klassische Zeichen des Karpaltunnels)
- Kraftverlust: Ein Glas nicht öffnen können, einen Knopf nicht schließen können, das Hängenbleiben des Fußes
- Muskelschwund in fortgeschrittenen Fällen (Dünnerwerden an Hand oder Bein)
- Brennende, elektroschockartige Schmerzen
- Verminderte Empfindung in der betroffenen Region
Eine wichtige Unterscheidung: Diese Beschwerden können manchmal auch von einem Bandscheibenvorfall der Hals- oder Lendenwirbelsäule herrühren. Bei dem, was wir „Double Crush“ nennen, kann der Nerv sowohl im Hals als auch am Handgelenk komprimiert sein. Deshalb ist die Bestimmung der richtigen Höhe für den Erfolg der Behandlung entscheidend.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose beruht nicht auf einem einzelnen Test, sondern auf dem Gesamtbild. Der erste und wertvollste Schritt ist eine ausführliche Anamnese und neurologische Untersuchung; ich beurteile, zu welchem Nervengebiet die Beschwerde passt, sowie Muskelkraft, Empfindungsverlust und spezielle Untersuchungstests (wie Tinel und Phalen).
Anschließend greifen wir bei Bedarf auf folgende Methoden zurück:
- EMG (Elektromyographie) und Nervenleitungsuntersuchung: Dies ist der wertvollste Test bei peripheren Nervenerkrankungen. Er misst, wo und wie stark der Nerv komprimiert ist und wie stark die Schädigung.
- Ultraschall und MRT: Sie zeigen die Struktur des Nervs, den Druck um ihn herum und, falls vorhanden, einen Tumor.
- Blutuntersuchungen: Um systemische Ursachen, die die Nerven betreffen, wie Diabetes, Vitaminmangel und Schilddrüsenprobleme, abzuklären.
Erfordert jede Nervenkompression eine Operation?
Ganz und gar nicht. Das ist einer der Punkte, die ich am stärksten betone. Besonders bei frühen und mittelgradigen Kompressionen ist die nicht-operative (konservative) Behandlung die erste Wahl:
- Ruhigstellung mit einer Schiene: Beim Karpaltunnel zum Beispiel ist eine nächtliche Handgelenksschiene sehr hilfreich.
- Anpassung der Aktivität: Vermeiden wiederholter, belastender Bewegungen.
- Medikamente und bei Bedarf lokale Injektionen (wie Kortison).
- Physiotherapie und Nervengleitübungen.
- Behandlung der zugrunde liegenden Ursache: Diabeteskontrolle, Gewichtsabnahme, Behebung eines Vitaminmangels.
Diese Verfahren bringen bei vielen Patientinnen und Patienten eine deutliche Erleichterung. Eine Operation kommt erst dann ins Spiel, wenn sich diese Behandlungen als unzureichend erweisen oder wenn von Anfang an eine schwere Schädigung vorliegt.
Wann ist eine Operation erforderlich?
In der Regel empfehle ich eine Operation in folgenden Situationen:
- Beschwerden, die trotz einer über einen ausreichenden Zeitraum angewandten nicht-operativen Behandlung nicht vergehen und die Lebensqualität beeinträchtigen
- Fortschreitender Kraftverlust oder Muskelschwund (dies ist eine Warnung, dass unser Spielraum zum Abwarten kleiner wird)
- Befunde einer hochgradigen Nervenschädigung im EMG
- Ein vollständig durchtrennter Nerv oder ein auf dem Nerv wachsender Tumor
Hier möchte ich unterstreichen: Wenn ein Muskelschwund begonnen hat, ist es wichtig, mit der Entscheidung zur Operation nicht zu zögern. Denn ein schwer geschädigter Nerv kehrt möglicherweise selbst dann nicht vollständig zu seiner früheren Funktion zurück, wenn er operativ befreit wird. Die Zeit ist in der Nervenchirurgie meist der kritischste Faktor.
In der peripheren Nervenchirurgie eingesetzte Verfahren
Dekompression (Nervenbefreiung)
Dies ist der am häufigsten angewandte Eingriff. Das Band, die Tunnelwand oder das Gewebe, das den Nerv komprimiert, wird von ihm entfernt, sodass der Nerv „atmen“ kann. Bei der Karpaltunneloperation zum Beispiel wird das Band, das das Handgelenk überkreuzt, gelockert. Er kann in der Regel über einen kleinen Schnitt, meist unter örtlicher Betäubung, durchgeführt werden.
Nervenreparatur (Neurorrhaphie)
Dies ist das Verbinden der beiden Enden eines durchtrennten Nervs mit sehr feinen Nähten unter dem Mikroskop. Können die Enden ohne Spannung End-zu-End zusammengeführt werden, erfolgt eine direkte Reparatur.
Nerventransplantat
Ist der Abstand zwischen den beiden Enden zu groß, um eine Reparatur zuzulassen, wird ein Stück Nerv (ein Transplantat), das einer anderen Körperstelle entnommen wird, als Brücke dazwischen eingesetzt. Meist wird ein aus dem eigenen Bein der Patientin oder des Patienten entnommener Empfindungsnerv verwendet, dessen Verlust kein wesentliches Problem verursacht.
Nerventransfer (Neurotisation)
Besonders bei schweren Verletzungen wie denen des Plexus brachialis besteht das Ziel darin, die Bewegung wiederherzustellen, indem ein Ast eines nahegelegenen funktionierenden Nervs auf einen Nerv übertragen wird, der seine Funktion verloren hat.
Tumorentfernung
Nervenscheidentumoren werden mit einer mikrochirurgischen Technik vorsichtig entfernt, und zwar so, dass die Nervenfasern geschont werden.
Die Elemente, die die Chirurgie sicher machen
Bei all diesen Eingriffen sind das Operationsmikroskop und mikrochirurgische Techniken unerlässlich, denn periphere Nerven sind millimetergroße Strukturen. Die Überwachung der Nervenfunktion während der Operation (Neuromonitoring) erhöht in manchen Fällen ebenfalls die Sicherheit.
Der Genesungsprozess: Eine Reise, die Geduld erfordert
Ich muss hier ehrlich sein: In der peripheren Nervenchirurgie ist die Genesung meist ein Prozess, der Geduld erfordert.
Nach einer einfachen Dekompressionsoperation (zum Beispiel Karpaltunnel) gehen Taubheit und nächtliche Schmerzen bei den meisten Patientinnen und Patienten rasch zurück. Doch wenn ein durchtrennter Nerv repariert wird, ist die Geschichte eine andere. Der Nerv beginnt vom Reparaturpunkt an, erneut zu wachsen, und dieses Wachstum ist sehr langsam — grob etwa einen Millimeter pro Tag. Deshalb kann die Rückkehr der Funktion, besonders bei Reparaturen über lange Strecken, Monate, manchmal Zeiträume von über einem Jahr in Anspruch nehmen.
In diesem Prozess sind Physiotherapie und Rehabilitation ein untrennbarer Teil der Operation. Die Chirurgie repariert oder befreit den Nerv; die Muskeln und die Bewegung wiederzugewinnen, wird hingegen durch regelmäßige Übung möglich.
Erwartungsmanagement: Was verspricht eine Operation, und was nicht?
Diese Überschrift füge ich bewusst hinzu. Der Bereich, in dem die periphere Nervenchirurgie am stärksten ist, ist die Linderung von Nervenkompressionen im frühen und mittleren Stadium; in diesen Fällen sind die Ergebnisse in der Regel sehr zufriedenstellend.
Dagegen sollten bei einem Nerv, der lange komprimiert und schwer geschädigt war, die Erwartungen maßvoller sein. Die Chirurgie stoppt meist das Fortschreiten und verringert die Beschwerden; ist jedoch ein bleibender Schaden eingetreten, kann sie nicht immer garantieren, dass die Funktion vollständig in ihren früheren Zustand zurückkehrt. Deshalb sind eine frühe Diagnose und eine rechtzeitige Behandlung so wertvoll.
Was können Sie tun, um sich zu schützen?
- Machen Sie bei wiederholten Bewegungen Pausen: Wenn Sie Tastatur, Maus oder ein Handwerkzeug über lange Zeit benutzen, legen Sie regelmäßige Pausen ein.
- Achten Sie auf die Ergonomie: Halten Sie Ihr Handgelenk in einer neutralen Position und stützen Sie Ihren Ellenbogen nicht über lange Zeit auf einer harten Unterlage ab.
- Halten Sie Ihren Diabetes unter Kontrolle: Unkontrollierter Blutzucker ist einer der größten Feinde der Nerven.
- Gewichtskontrolle und ausgewogene Ernährung: Vitaminmängel wie B12 beeinträchtigen die Nervengesundheit.
- Meiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol: Beide schädigen das Nervengewebe.
- Ignorieren Sie Beschwerden nicht: Ein frühes Aufsuchen ist der wirksamste Weg, einen bleibenden Schaden zu verhindern.
Bei welchen Symptomen sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen?
Die folgenden Situationen erfordern eine Abklärung ohne Zeitverlust:
- Plötzlich einsetzender, fortschreitender Kraftverlust in einem Arm oder Bein
- Sichtbarer Muskelschwund (Dünnerwerden) an Hand oder Fuß
- Empfindungs-/Bewegungsverlust in Hand, Arm oder Bein nach einer Verletzung durch einen scharfen Gegenstand oder Glas — dies kann ein Zeichen für einen durchtrennten Nerv sein, und ein frühes Eingreifen ist wichtig
- Fußheberschwäche: Den Fuß nicht nach oben anheben können, beim Gehen ständig hängenbleiben
- Hartnäckige Taubheit und Schmerzen, die nachts aus dem Schlaf wecken und auch tagsüber anhalten
- Ein stetig zunehmender Verlust der Geschicklichkeit in der Hand (Schwierigkeiten beim Zuknöpfen, beim Schreiben)
Befunde wie Kraftverlust und Muskelschwund sind insbesondere Warnzeichen, bei denen man nicht sagen sollte: „Warten wir noch ein wenig.“
Häufig gestellte Fragen
Nachfolgend habe ich die am häufigsten gestellten Fragen zur peripheren Nervenchirurgie mit kurzen Antworten zusammengestellt. Diese Antworten dienen der allgemeinen Information; die für Ihre persönliche Situation gültige Auskunft ist diejenige der Ärztin oder des Arztes, die oder der Sie untersucht.
Was ist periphere Nervenchirurgie, und bei welchen Erkrankungen wird sie eingesetzt?
Sie ist die operative Behandlung von Erkrankungen der peripheren Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Ihr häufigstes Anwendungsgebiet sind Nervenkompressionen (wie das Karpaltunnel- und das Kubitaltunnelsyndrom). Sie wird außerdem bei der Reparatur durchtrennter Nerven, bei Verletzungen des Plexus brachialis, bei der Entfernung von Nerventumoren und bei einigen hartnäckigen Nervenschmerzen eingesetzt.
Zu welcher Fachabteilung geht man für eine Karpaltunneloperation?
Nervenkompressionen können von der Neurochirurgie (Gehirn- und Nervenchirurgie), der Orthopädie und der Plastischen Chirurgie behandelt werden; im Diagnose- und konservativen Behandlungsprozess spielen die Neurologie und die Physikalische Medizin und Rehabilitation eine wichtige Rolle. Die Art Ihrer Beschwerde bestimmt die richtige Abteilung; die Orientierung erfolgt mit einer Untersuchung und einem EMG.
Erfordert jede Nervenkompression eine Operation?
Nein. Besonders bei frühen und mittelgradigen Kompressionen sind die Ruhigstellung mit einer Schiene, die Anpassung der Aktivität, Medikamente, Injektionen und Physiotherapie die erste Wahl. Eine Operation kommt bei Fällen ins Spiel, die auf diese Behandlungen nicht ansprechen oder die einen fortschreitenden Kraftverlust oder Muskelschwund aufweisen.
Wie lange dauert die Genesung nach einer Nervenoperation?
Sie variiert stark je nach durchgeführtem Eingriff. Nach einer einfachen Dekompression (wie beim Karpaltunnel) gehen Taubheit und nächtliche Schmerzen bei den meisten Patientinnen und Patienten rasch zurück. Nach der Reparatur eines durchtrennten Nervs kann die Rückkehr der Funktion jedoch, weil der Nerv sehr langsam wächst, grob einen Millimeter pro Tag, Monate dauern, manchmal über ein Jahr.
Kehrt ein durchtrennter Nerv in seinen früheren Zustand zurück?
Wird er früh und sachgemäß repariert, kann sich ein Nerv weitgehend selbst reparieren. Das Ergebnis hängt jedoch von der Art des durchtrennten Nervs, der Entfernung, dem Alter der Patientin oder des Patienten und dem Zeitpunkt des Eingriffs ab. Bei Verletzungen über lange Strecken und mit Verzögerung ist eine vollständige Genesung nicht immer möglich. Deshalb ist ein frühes Aufsuchen sehr wichtig.
Ist die Karpaltunneloperation ein großer Eingriff?
Es ist in der Regel ein kurzer Eingriff, der über einen kleinen Schnitt, meist unter örtlicher Betäubung, durchgeführt wird. Die meisten Patientinnen und Patienten gehen noch am selben Tag nach Hause. Dennoch hat er, wie jeder chirurgische Eingriff, seine eigenen spezifischen Risiken; ich empfehle, diese mit der Chirurgin oder dem Chirurgen zu besprechen, die oder der Sie beurteilt.
Welche Risiken hat die Nervenchirurgie?
Blutung, Infektion, Probleme an der Wundstelle, vorübergehende Empfindungsveränderungen und selten eine Nervenschädigung gehören zu den möglichen Risiken. Dank mikrochirurgischer Techniken sind schwere Komplikationen selten. Ihr persönliches Risikoprofil kann Ihnen nur die Chirurgin oder der Chirurg erläutern, die oder der Sie beurteilt.
Kommt die Taubheit in meiner Hand von einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule oder vom Karpaltunnel?
Beide können ähnliche Beschwerden verursachen und treten manchmal zusammen auf („Double Crush“). Wir treffen die Unterscheidung danach, in welchen Fingern die Taubheit besteht, anhand der Untersuchungsbefunde und mittels EMG. Die Bestimmung der richtigen Höhe ist für die richtige Behandlung unerlässlich; deshalb ist es wichtig, sich beurteilen zu lassen, statt sich selbst zu diagnostizieren.
Haftungsausschluss (Rechtlicher Hinweis)
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen wurden ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken erstellt und ersetzen in keiner Weise eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Die Diagnose peripherer Nervenerkrankungen, die Entscheidung über Behandlung und Operation, das anzuwendende Verfahren, die Risiken und der Genesungsverlauf variieren stark je nach Art der Erkrankung, Grad der Nervenschädigung, Schwere der Beschwerden und allgemeinem Gesundheitszustand der Person und können nur von einem Arzt bestimmt werden, der Sie beurteilt. Konsultieren Sie für jede Entscheidung bezüglich Diagnose und Behandlung stets einen Facharzt. Wenn die oben genannten Notfallsymptome vorliegen, suchen Sie unverzüglich die nächste Gesundheitseinrichtung auf.