Taubheit, Kribbeln oder ein Gefühl wie „Nadelstiche“ in den Beinen gehört zu den häufigsten Gründen, einen Arzt aufzusuchen. Meist handelt es sich um eine harmlose, kurzlebige Beschwerde, die durch zu langes Sitzen in derselben Position oder das „Einschlafen“ des Beines verursacht wird. Hält die Taubheit jedoch tagelang an, kehrt sie immer wieder, breitet sie sich zusammen mit Schmerzen ins Bein aus oder geht sie mit Kraftverlust einher, kann eine behandlungsbedürftige Ursache dahinterstecken. In diesem Artikel betrachten wir in verständlicher Sprache die möglichen Ursachen von Beintaubheit, wann sie ernst genommen werden sollte und in welchen Fällen ein Arzt aufgesucht werden muss.
Warum entsteht Taubheit in den Beinen?
Taubheit ist im Grunde ein Warnsignal, das entsteht, wenn ein Nerv unter Druck gerät, gereizt wird oder nicht ausreichend durchblutet ist. Die Nerven, die zu den Beinen führen, entspringen der Wirbelsäule im Bereich des unteren Rückens und ziehen von der Hüfte bis hinunter zu den Zehen. Druck auf den Nerv an einer beliebigen Stelle entlang dieses Verlaufs oder eine Schädigung des Nervs selbst zeigt sich als Gefühlsverlust, Kribbeln und Brennen in den Bereichen, die dieser Nerv versorgt.
Kurz gesagt: Taubheit bedeutet nicht immer, dass ein Problem mit dem Bein selbst vorliegt; oft liegt die Ursache im unteren Rücken und manchmal in einer systemischen Erkrankung, die die Nerven oder Blutgefäße betrifft.
Die häufigsten Ursachen für Beintaubheit
Bandscheibenvorfall (Lendenwirbelbruch): Entsteht, wenn sich eine Bandscheibe zwischen den Wirbeln verschiebt und auf einen Nerv drückt. Typischerweise verursacht er Schmerzen, Taubheit und Kribbeln, die im unteren Rücken beginnen und sich ins Gesäß sowie in die Rück- oder Außenseite des Beins ausbreiten. Meist ist ein Bein stärker betroffen.
Spinalkanalstenose (Verengung des Wirbelkanals): Eine allmähliche Verengung des Wirbelkanals, die die Nerven einengt. Sie tritt häufiger bei Menschen mittleren und höheren Alters auf. Die Patienten beschreiben beim Gehen Taubheit, Schmerzen und Schwäche in den Beinen und bemerken, dass die Beschwerden nachlassen, wenn sie sich hinsetzen und nach vorne beugen.
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Wenn ein Wirbel über den darunterliegenden nach vorne gleitet, werden die Nervenwurzeln gedehnt und eingeklemmt. Neben Schmerzen im unteren Rücken können Taubheit und Kribbeln auftreten, die in die Beine ausstrahlen.
Ischiasnerv-Einklemmung: Druck auf den Ischiasnerv – den längsten Nerv des Körpers – verursacht scharfe Schmerzen und Taubheit, die von der Hüfte bis zum Fuß verlaufen.
Wirbelsäulen- und Rückenmarkstumoren: Obwohl seltener, können auch Raumforderungen, die auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drücken, Taubheit und einen fortschreitenden Kraftverlust verursachen. Fortschreitende Beschwerden, die in Ruhe nicht nachlassen und sich nachts verschlimmern, sollten in dieser Hinsicht sorgfältig abgeklärt werden.
Diabetesbedingte Nervenschädigung (diabetische Neuropathie): Anhaltend hoher Blutzucker schädigt mit der Zeit die Nerven. Sie beginnt meist als symmetrische Taubheit und Brennen in beiden Füßen, beschrieben als „Socken-Gefühl“.
Vitamin-B12- und andere Vitaminmängel: Vitamin B12 ist für die Nervengesundheit von entscheidender Bedeutung. Ein Mangel kann Taubheit, Unsicherheit und Kribbeln in Händen und Füßen verursachen.
Durchblutungsstörungen: Eine Verengung der Blutgefäße, die die Beine versorgen, kann zu Taubheit, Kältegefühl und beim Gehen zunehmenden Schmerzen führen, weil Muskeln und Nerven nicht ausreichend durchblutet werden.
Multiple Sklerose (MS) und andere neurologische Erkrankungen: Manche Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen, können sich ebenfalls als Frühsymptom mit Taubheit äußern.
Stress und Angst: Wenn alle Untersuchungen unauffällig sind, kann die Ursache vorübergehender und wandernder Taubheit manchmal in starkem Stress und Angst liegen.
Wann sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen?
Bestimmte Symptome weisen darauf hin, dass das zugrunde liegende Problem dringend abgeklärt werden muss. Beim Auftreten der folgenden Anzeichen ist es wichtig, ohne zu warten ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen:
- Wenn die Taubheit mit einer deutlichen Schwäche im Bein, der Unfähigkeit, den Fuß zu heben, oder einem Fußheberschwäche einhergeht
- Wenn Probleme mit der Kontrolle von Blase oder Darm beginnen
- Wenn Taubheit im Bereich des Damms und der Innenseite der Oberschenkel auftritt (sattelförmiger Gefühlsverlust)
- Wenn die Symptome plötzlich auftreten oder sich rasch verschlimmern
- Wenn die Taubheit nach einem Trauma, einem Sturz oder einem Unfall auftritt
- Wenn sie von Fieber oder unbeabsichtigtem Gewichtsverlust begleitet wird
Diese Befunde können insbesondere auf eine fortgeschrittene Nervenkompression hindeuten, und ein frühzeitiges Eingreifen ist wichtig, um bleibende Schäden zu verhindern.
Zu welchem Facharzt sollte man bei Beintaubheit gehen?
Bei lang anhaltender oder wiederkehrender Taubheit in den Beinen ist es sinnvoll, zunächst einen Facharzt für Neurochirurgie (Gehirn- und Nervenchirurgie) oder Neurologie aufzusuchen. Nach einer Untersuchung kann der Arzt bei Bedarf Untersuchungen wie eine MRT, ein CT oder ein EMG anordnen, mit dem die Funktion der Nerven beurteilt wird. Liegt die Ursache der Beschwerden bei den Blutgefäßen, kann eine Überweisung an die Gefäßchirurgie erfolgen; bei Verdacht auf einen Blutzucker- oder Vitaminmangel an die Innere Medizin/Endokrinologie. Der erste Schritt zur richtigen Behandlung besteht darin, die tatsächliche Ursache der Taubheit korrekt zu bestimmen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Abklärung beginnt in der Regel mit einer ausführlichen körperlichen Untersuchung, bei der Reflexe, Muskelkraft und die Verteilung des Gefühls beurteilt werden. Anschließend werden bei Bedarf bildgebende Verfahren eingesetzt. Die MRT, die Wirbelsäule und Nervenstrukturen detailliert darstellt, das CT, das die knöchernen Strukturen beurteilt, und das EMG, das die Nervenleitung misst, sind die am häufigsten verwendeten Methoden, um die Ursache der Taubheit zu ermitteln. Je nach Verdacht können auch Blutuntersuchungen (Blutzucker, B12, Schilddrüsenwerte) angefordert werden.
Wie sieht der Behandlungsansatz aus?
Die Behandlung wird vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache geplant; die Taubheit selbst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Der Großteil von Erkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall oder einer Kanalstenose kann ohne Operation unter Kontrolle gebracht werden – durch Ruhe, Physiotherapie, Medikamente und Bewegungsprogramme. In ausgewählten Fällen mit fortschreitendem Kraftverlust, anhaltenden Schmerzen oder ausgeprägter Nervenkompression kommen chirurgische Optionen in Betracht. Bei Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Durchblutungsstörungen richtet sich die Behandlung darauf, die Grunderkrankung unter Kontrolle zu bringen.
Häufig gestellte Fragen
Geht die Taubheit im Bein von selbst weg? Taubheit, die durch vorübergehenden Druck verursacht wird – etwa durch langes Übereinanderschlagen der Beine – verschwindet meist innerhalb kurzer Zeit von selbst. Taubheit, die jedoch tagelang anhält, wiederkehrt oder mit Schmerzen und Kraftverlust einhergeht, sollte nicht von selbst abklingen erwartet werden; in diesem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Was ist ernster: Taubheit in einem Bein oder in beiden Beinen? Beides sollte abgeklärt werden. Taubheit in einem Bein deutet meist auf die Kompression eines Nervs auf dieser Seite hin (zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall), während symmetrische Taubheit in beiden Beinen eher auf systemische Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel oder auf eine ausgedehnte Nervenkompression hinweist.
Sind Taubheit und Kribbeln dasselbe? Beides sind nervenbedingte Symptome und treten häufig zusammen auf. Taubheit bezieht sich eher auf eine Verminderung des Gefühls, während Kribbeln eine abnorme „Nadelstich“-Empfindung beschreibt; aus Sicht des Patienten sind die beiden jedoch oft miteinander verwoben.
Erfordert ein Bandscheibenvorfall immer eine Operation? Nein. Der weitaus größte Teil der durch einen Bandscheibenvorfall verursachten Taubheit lässt sich mit nicht-operativen Methoden behandeln. Eine Operation kommt in der Regel in Situationen wie fortschreitendem Kraftverlust, unerträglichen und anhaltenden Schmerzen oder einer beeinträchtigten Blasen-/Darmkontrolle in Betracht.
Welche Untersuchungen werden bei Taubheit durchgeführt? Am häufigsten werden MRT, CT und EMG eingesetzt. Darüber hinaus können zur Abklärung der Ursache Untersuchungen wie Blutzucker, B12 und Schilddrüsenwerte angefordert werden.
Kann ein B12-Mangel Taubheit in den Beinen verursachen? Ja. Vitamin B12 ist für die Nervengesundheit unerlässlich, und ein Mangel kann insbesondere in Händen und Füßen Taubheit, Kribbeln und Unsicherheit verursachen. Er wird mit einer einfachen Blutuntersuchung festgestellt und ist in der Regel behandelbar.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn Sie anhaltende Taubheit in den Beinen verspüren, suchen Sie für eine genaue Diagnose und Behandlung unbedingt einen Facharzt auf.