Mit zunehmender Lebenserwartung treten auch Wirbelsäulenprobleme immer häufiger auf. Insbesondere Wirbelkörper-Kompressionsfrakturen, die durch Knochenschwund (Osteoporose) verursacht werden, sind ein Gesundheitsproblem, das die Lebensqualität der Patienten ernsthaft beeinträchtigt. In diesem Artikel möchte ich Ihnen zwei moderne Methoden, die erfolgreich bei der Behandlung von Wirbelsäulenfrakturen eingesetzt werden – die Kyphoplastie und die Vertebroplastie –, in verständlicher Sprache erläutern.
Was ist eine Wirbelkörper-Kompressionsfraktur?
Die Wirbelsäule besteht aus übereinander angeordneten Knochenstrukturen (Wirbeln). Durch Ursachen wie Knochenschwund, Tumore oder ein Trauma können diese Knochen geschwächt werden und nach innen einbrechen. Dies wird als Wirbelkörper-Kompressionsfraktur oder umgangssprachlich als „Wirbelsäulen-Einbruchfraktur“ bezeichnet.
Kompressionsfrakturen äußern sich in der Regel durch Symptome wie starke Schmerzen im Rücken und im unteren Rückenbereich, Verlust an Körpergröße, Vornüberbeugen und Buckelbildung (Kyphose), deutliche Einschränkungen bei den täglichen Aktivitäten sowie Schwierigkeiten beim Stehen und Gehen.
Diese Frakturen treten am häufigsten bei Frauen über 60 Jahren und bei Osteoporose-Patienten auf. Sie können jedoch auch bei jüngeren Patienten auftreten, etwa bei einer auf die Knochen ausgebreiteten Krebserkrankung (Metastasen) oder einem Sturz aus großer Höhe.
Was ist die Vertebroplastie?
Die Vertebroplastie ist ein minimalinvasiver Eingriff, der darauf beruht, dass ein spezieller Knochenzement (PMMA) in den gebrochenen Wirbelkörper injiziert wird, um den Knochen zu stärken und die Schmerzen zu lindern. Umgangssprachlich wird sie auch als „Wirbelsäulenzement“ oder „Wirbelsäulenfüllung“ bezeichnet.
Wie wird der Eingriff durchgeführt?
Im Operationssaal liegt der Patient in Bauchlage. Es werden eine örtliche Betäubung und eine leichte Sedierung verabreicht; das heißt, der Patient ist wach, verspürt aber keine Schmerzen. Unter Führung eines Durchleuchtungsgeräts (Röntgen) wird der gebrochene Wirbel lokalisiert. In die Haut wird ein wenige Millimeter großer Schnitt gesetzt, und mit einer speziellen Nadel wird der gebrochene Knochen erreicht. Anschließend wird Knochenzement injiziert, um den gebrochenen Knochen zu festigen.
Der Eingriff dauert in der Regel 30–45 Minuten. Der Patient kann am selben oder am nächsten Tag entlassen werden.
Was ist die Kyphoplastie?
Die Kyphoplastie ist eine weiterentwickelte Version der Vertebroplastie. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass vor der Zementinjektion ein spezieller Ballon in den gebrochenen Knochen eingesetzt und dieser Ballon aufgeblasen wird, um die Höhe des eingebrochenen Knochens wiederherzustellen.
Schritte des Eingriffs
Unter örtlicher Betäubung wird der gebrochene Wirbel mit einer Nadel erreicht. Ein kleiner Ballon wird eingesetzt und aufgeblasen. Mithilfe des Ballons wird der eingebrochene Knochen angehoben und seiner früheren Höhe angenähert. Schließlich wird der Ballon entfernt und in den entstandenen Hohlraum Knochenzement injiziert.
Der wichtigste Vorteil der Kyphoplastie gegenüber der Vertebroplastie besteht darin, dass sie die Höhe des Knochens teilweise wiederherstellen und die Entwicklung eines Buckels verhindern kann. Da der Zement dank des Ballons zudem mit niedrigem Druck injiziert wird, ist das Risiko, dass Zement in den Spinalkanal austritt, geringer.
Unterschiede zwischen den beiden Methoden
| Merkmal | Vertebroplastie | Kyphoplastie |
|---|---|---|
| Ballonverwendung | Nein | Ja |
| Höhenwiederherstellung | Begrenzt | Wirksamer |
| Risiko eines Zementaustritts | Relativ hoch | Geringer |
| Geeignete Patientengruppe | Ältere Frakturen | Neuere Frakturen (besonders erste 4–6 Wochen) |
| Korrektur des Buckels | Begrenzt | Erfolgreicher |
Bei welchen Patienten wird sie angewendet?
Kyphoplastie und Vertebroplastie können in den folgenden Situationen in Betracht gezogen werden:
Wirbelkörper-Kompressionsfrakturen aufgrund von Osteoporose: Dies ist das häufigste Anwendungsgebiet. Sie ist eine wirksame Lösung bei schmerzhaften Frakturen, die infolge von Knochenschwund entstehen.
Krebsbedingte Wirbelsäulenfrakturen: Werden bei Frakturen eingesetzt, die durch auf die Knochen ausgebreitete Tumore verursacht werden, sowohl zur Schmerzkontrolle als auch zur Knochenstärkung.
Auf Medikamente nicht ansprechende Schmerzen: Können bei Patienten angewendet werden, deren Schmerzen trotz mindestens 3–4 Wochen konservativer Methoden wie Schmerzmittel, Korsett und Bettruhe anhalten.
Der Ablauf nach dem Eingriff
Da diese Eingriffe minimalinvasiv sind, ist der Heilungsverlauf recht kurz. Die große Mehrheit der Patienten kann bereits wenige Stunden nach dem Eingriff aufstehen und wird in der Regel am selben oder am nächsten Tag entlassen. Ein erheblicher Teil der Patienten verspürt bereits in den ersten Tagen nach dem Eingriff eine deutliche Verringerung der Schmerzen. Eine Rückkehr zu den täglichen Aktivitäten ist innerhalb weniger Tage möglich. Es wird jedoch empfohlen, einige Wochen lang schweres Heben und anstrengende körperliche Aktivitäten zu vermeiden.
Gibt es Risiken bei dem Eingriff?
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen auch bei der Kyphoplastie und der Vertebroplastie gewisse Risiken; die Rate schwerwiegender Komplikationen ist jedoch recht niedrig. Zu den möglichen Risiken zählen Infektionen, Blutungen, ein Austritt des Zements in das umliegende Gewebe und sehr selten Nervenschäden. In erfahrenen Händen und bei geeigneter Patientenauswahl lässt sich die große Mehrheit dieser Risiken minimieren.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Eingriff schmerzhaft? Da er unter örtlicher Betäubung und Sedierung durchgeführt wird, werden während des Eingriffs keine Schmerzen verspürt. Danach kann es zu leichten Schmerzen kommen; diese werden jedoch in der Regel mit einfachen Schmerzmitteln unter Kontrolle gebracht.
Kann sie bei jeder Wirbelsäulenfraktur angewendet werden? Nein. Die Art der Fraktur, ihre Dauer, der Allgemeinzustand des Patienten und Begleiterkrankungen müssen beurteilt werden. Welche Behandlung geeignet ist, muss stets ein Wirbelsäulenchirurg entscheiden.
Wie lange nach der Fraktur sollte sie durchgeführt werden? Die besten Ergebnisse werden in den ersten Wochen nach der Fraktur erzielt. Besonders bei der Kyphoplastie ist ein frühzeitiger Eingriff wichtig, damit die Höhenwiederherstellung erfolgreich sein kann. Bei Frakturen, die älter als sechs Monate sind, kann die Erfolgsrate sinken.
Können ältere Patienten diesen Eingriff vertragen? Ja. Da er keine Vollnarkose erfordert und minimalinvasiv ist, ist er eine besonders geeignete Option für ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen, die eine offene Operation nicht vertragen würden.
Fazit
Die Kyphoplastie und die Vertebroplastie sind sichere und wirksame Behandlungsmethoden, die bei Wirbelkörper-Kompressionsfrakturen angewendet werden, um die Schmerzen der Patienten rasch zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dass sie keine offene Operation erfordern, nur kurze Zeit in Anspruch nehmen und eine rasche Heilung ermöglichen, sind die wichtigsten Vorteile dieser Methoden.
Ich empfehle insbesondere meinen Patienten mit Knochenschwund, die unter Rücken- und Kreuzschmerzen leiden, ihre Beschwerden nicht zu ignorieren und sich frühzeitig an einen Wirbelsäulenchirurgen zu wenden. Eine frühe Diagnose und ein rechtzeitiger Eingriff sind die entscheidendsten Faktoren, die den Behandlungserfolg unmittelbar beeinflussen.
Dieser Artikel wurde zu allgemeinen Informationszwecken erstellt. Behandlungsentscheidungen müssen stets nach Untersuchung und Beurteilung durch einen Facharzt getroffen werden.
Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu — Facharzt für Neurochirurgie