Was ist die Aminoff-Logue-Graduierung?

Die Aminoff-Logue-Graduierung ist ein klinisches Bewertungsinstrument, das verwendet wird, um den Grad der neurologischen Beeinträchtigung zu messen, die durch spinale vaskuläre Malformationen verursacht wird — insbesondere durch spinale arteriovenöse Malformationen (AVM) und spinale arteriovenöse Fisteln (AVF). Sie wurde 1974 von Michael Aminoff und David Logue beschrieben.

Was misst sie?

Die Skala bewertet zwei grundlegende Funktionsbereiche unabhängig voneinander: die Gehfähigkeit und die Sphinkterfunktion (Blasen- und Darmkontrolle). Diese beiden Bereiche werden getrennt bewertet, wobei jedem ein eigener Grad zugewiesen wird.

Graduierung der Gehfähigkeit

Die Gehfähigkeit wird auf sechs Stufen von 0 bis 5 beurteilt.

0 — Normales Gangbild, keinerlei Einschränkungen.

1 — Schwäche oder abnormes Gangbild vorhanden, jedoch kann der Patient ohne Hilfsmittel gehen.

2 — Der Patient benötigt zum Gehen einen Stock oder eine einzelne Krücke.

3 — Der Patient benötigt zwei Stöcke oder zwei Krücken.

4 — Der Patient kann nur mit Unterstützung oder mithilfe eines Gehrahmens gehen.

5 — Der Patient ist auf einen Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig.

Graduierung der Sphinkterfunktion

Die Blasen- und Darmfunktion wird auf vier Stufen von 0 bis 3 beurteilt.

0 — Normale Sphinkterkontrolle.

1 — Urinärer und/oder fäkaler Harndrang oder leichte Inkontinenz.

2 — Mäßige urinäre und/oder fäkale Inkontinenz.

3 — Vollständige urinäre und/oder fäkale Inkontinenz.

Klinische Anwendung

Die Skala wird am häufigsten bei Patienten eingesetzt, bei denen eine spinale durale arteriovenöse Fistel (SDAVF) diagnostiziert wurde. Sie ermöglicht einen objektiven Vergleich des neurologischen Status vor und nach der Behandlung, erleichtert die Beurteilung der Wirksamkeit chirurgischer oder endovaskulärer Eingriffe und erlaubt einen aussagekräftigen Vergleich der Ergebnisse zwischen verschiedenen Zentren.

Die spinale durale AVF ist eine Erkrankung, die eine langsam progrediente Myelopathie verursachen kann, die häufig über einen langen Zeitraum unerkannt bleibt. Die Aminoff-Logue-Skala bietet ein konkretes Mittel zur Dokumentation einer neurologischen Verschlechterung oder Verbesserung bei der Verlaufsbeobachtung dieser Patienten.

Stärken der Skala

Der Hauptgrund, warum Kliniker die Aminoff-Logue-Graduierungsskala übernommen haben, ist ihre Einfachheit. Sie erfordert keine speziellen Geräte oder Labortests und kann im Rahmen einer kurzen neurologischen Untersuchung durchgeführt werden. Die Fähigkeit, Gehfähigkeit und Sphinkterfunktion unabhängig voneinander zu messen, ist bei spinalen Gefäßerkrankungen besonders wertvoll, da diese beiden Bereiche nicht immer einen parallelen Verlauf nehmen.

Einschränkungen der Skala

Wie jede klinische Skala weist auch die Aminoff-Logue-Graduierung bestimmte Einschränkungen auf. Das Fehlen einer Erfassung von Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Beeinträchtigungen der oberen Extremitäten stellt einen wesentlichen Mangel dar. Darüber hinaus können bestimmte Zwischenstufen der Gehfähigkeitsbewertung — insbesondere bei Patienten, die gemischte Hilfsmittel verwenden — von verschiedenen Beobachtern unterschiedlich interpretiert werden. Aus diesen Gründen ziehen es manche Forscher vor, die Skala zu modifizieren oder sie in Kombination mit anderen neurologischen Bewertungsinstrumenten zu verwenden.

Bedeutung

Die Aminoff-Logue-Graduierungsskala wird im Bereich der spinalen Gefäßerkrankungen seit mehr als einem halben Jahrhundert kontinuierlich verwendet. Die große Mehrheit der zeitgenössischen klinischen Studien auf diesem Gebiet bezieht sich bei der Berichterstattung über Behandlungsergebnisse nach wie vor auf diese Skala. Ihre unkomplizierte Struktur und ihre lange Bewährung sowohl in der klinischen als auch in der Forschungspraxis stellen sicher, dass sie ein unverzichtbares Instrument zur Beurteilung neurologischer Ergebnisse bei spinalen Gefäßpathologien bleibt.