Die heimtückische Ursache Ihrer anhaltenden Rückenschmerzen: Was ist Spondylolisthese (Wirbelgleiten) und wie wird sie behandelt?

Rücken- und Beinschmerzen sind eine sehr häufige Beschwerde, der heutzutage fast jeder Mensch irgendwann in seinem Leben begegnet und die die Lebensqualität erheblich mindert. Dieser Zustand, den wir oft abzutun versuchen, indem wir ihn der Tagesmüdigkeit, einer ungünstigen Bewegung, schwerem Heben oder Stress zuschreiben, und den wir mit Schmerzmitteln zu unterdrücken versuchen, kann manchmal der Vorbote eines weitaus mechanischeren und ernsteren Problems in unserer Wirbelsäule sein.

Diese Erkrankung, die wir in der medizinischen Fachsprache Spondylolisthese nennen und die in der Bevölkerung eher als „Wirbelgleiten“ bekannt ist, ist eine bedeutende Wirbelsäulenerkrankung, die mit der richtigen Diagnose und dem richtigen Behandlungsansatz erfolgreich gelöst werden kann, die aber bei Vernachlässigung zu dauerhaften Nervenschäden führen kann.

Also, wann geht in unserer Wirbelsäule etwas schief, wie entsteht das Wirbelgleiten genau, und – am wichtigsten – wie können Sie diesen Zustand loswerden?

Was ist Spondylolisthese (Wirbelgleiten) wirklich?

Unsere Wirbelsäule besteht aus Knochen namens „Wirbel“ (Vertebrae), die in einer makellosen Architektur übereinander angeordnet sind. Diese Anordnung ermöglicht sowohl, dass unser Körper aufrecht steht und sich bewegt, als auch schützt sie das durch sie hindurchführende Rückenmark und Nervennetz, ganz wie ein Panzer.

Spondylolisthese ist der Zustand, bei dem ein oberer Wirbelknochen über dem direkt darunter liegenden Wirbel nach vorne (oder, seltener, nach hinten) gleitet. Infolge dieses Gleitens wird jene makellose Ausrichtung der Wirbelsäule gestört und der Wirbelkanal verengt sich. Noch wichtiger ist, dass der gleitende Knochen aus dem Wirbelkanal austreten und die zu den Beinen verlaufenden Nervenwurzeln einklemmen kann. Die grundlegende Ursache jener unerträglichen Schmerzen, Krämpfe und Taubheitsgefühle, die das Leben der Patienten zum Albtraum machen, ist genau diese mechanische Nerveneinklemmung.

Wirbelgleiten wird je nach Schwere des Gleitens von 1 bis 4 eingestuft. Während Grad 1 ein sehr leichtes Gleiten bezeichnet, stellt Grad 4 ein schweres Bild dar, bei dem der Wirbel vollständig nach vorne abgerutscht ist.

Warum entsteht Wirbelgleiten? Wer ist gefährdet?

Spondylolisthese ist nicht an eine einzige Ursache gebunden; sie kann in jeder Altersgruppe aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Typen auftreten. Die häufigsten Auslöser, denen wir begegnen, sind die folgenden:

Alterung und Verschleiß (Degeneratives Wirbelgleiten): Mit fortschreitendem Alter verlieren die Facettengelenke und Bandscheiben, die die Wirbel miteinander verbinden, Wasser, verlieren ihre Elastizität und werden schwächer. Dies ist die häufigste Ursache für Wirbelgleiten, die wir besonders bei Personen über 50 Jahren und bei Frauen sehen.

Physische Belastung und Traumata (Isthmisches Wirbelgleiten): Besonders bei jungen Menschen, die Sportarten betreiben, die den unteren Rücken ständig übermäßig belasten – etwa Turnen, Gewichtheben, Fußball oder Ringen –, können sich kleine Stressfrakturen (Spondylolyse) in den hinteren Teilen des Wirbels bilden. Diese Frakturen bereiten mit der Zeit den Boden für das Nach-vorne-Gleiten des Wirbels.

Angeborene (kongenitale) Faktoren: Manche Personen sind aufgrund angeborener struktureller Unterschiede oder Schwächen in ihren Wirbelsäulenstrukturen anfälliger für Wirbelgleiten.

Durchgemachte Traumata oder Operationen: Schwere Unfälle (Stürze, Verkehrsunfälle) oder zuvor durchgemachte große Wirbelsäulenoperationen können ebenfalls das Gleichgewicht der Wirbelsäule stören und zum Gleiten führen.

Die Warnzeichen Ihres Körpers: Achten Sie auf diese Symptome!

Wirbelgleiten kann manchmal jahrelang heimtückisch fortschreiten, ohne irgendwelche Symptome zu zeigen. Wenn jedoch das Ausmaß des Gleitens zunimmt und die Nervenwurzeln eingeklemmt zu werden beginnen, beginnt Ihr Körper, mit den folgenden charakteristischen Signalen Alarm zu schlagen:

Starke Rückenschmerzen, die besonders beim langen Stehen oder Gehen zunehmen und sich beim Sitzen und Ausruhen lindern.

„Ischias“-ähnliche Schmerzen, die in die Hüften, den Oberschenkel und die Rückseite der Beine ausstrahlen.

Taubheit, Kribbeln, Nadelstichgefühle in den Beinen, Waden oder Füßen und in fortgeschrittenen Fällen Kraftverlust.

Schaufensterkrankheit (Neurogene Claudicatio): Die fortschreitende Verkürzung der Gehstrecke; das Bedürfnis, nach dem Gehen einer bestimmten Strecke aufgrund unerträglicher Schmerzen und Krämpfe in den Beinen anzuhalten und auszuruhen oder sich nach vorne zu beugen (die Position des Anlehnens an einen Einkaufswagen). Da das Nach-vorne-Beugen den Wirbelkanal leicht erweitert, verschafft es dem Patienten vorübergehend Erleichterung.

Ein Gefühl starker Steifheit und Verspannung im unteren Rücken bei alltäglichen Bewegungen (zum Beispiel beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett oder beim Bücken und Aufrichten).

Wie wird Wirbelgleiten diagnostiziert?

Wenn unsere Patienten in unsere Praxis kommen, führen wir zunächst eine eingehende körperliche und neurologische Untersuchung durch. Nachdem wir die Reflexe und den Kraftzustand der Nerven überprüft haben, nutzen wir für eine endgültige Diagnose radiologische Bildgebung. Im Stehen aufgenommene Rückenröntgenbilder zeigen den Grad und die Beweglichkeit des Gleitens, während die Magnetresonanztomographie (MRT) uns millimetergenau und detailliert darlegt, wie stark die Nerven und Bandscheiben eingeklemmt sind.

Erfordert jedes Wirbelgleiten eine Operation?

Dies ist die größte Sorgenquelle unserer Patienten und die Frage, die sie am häufigsten stellen. Die Antwort ist ganz klar: Nein, nicht jedes Wirbelgleiten endet mit einer Operation.

Bei der Behandlungsplanung sind das Alter des Patienten, der Grad des Gleitens, wie stark die alltäglichen Lebensaktivitäten beeinträchtigt sind und – am wichtigsten – das Ausmaß der Nerveneinklemmung (des neurologischen Schadens) unsere Wegweiser.

Wenn das Gleiten auf einem leichten Niveau ist, nicht fortschreitet und keinen ernsthaften Kraftverlust im Bein verursacht, haben in der Behandlung stets konservative (nicht-chirurgische) Methoden Vorrang:

Kurzzeitige Ruhe und Behandlungen mit Schmerzmitteln/Muskelrelaxanzien.

Spezielle Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramme, die die Belastung der Wirbelsäule verringern, indem sie die Muskeln rund um die Wirbelsäule (die Rumpfregion) stärken.

Bei Bedarf epidurale Steroidinjektionen (punktgenaue Behandlungen), die angewendet werden, um den Schmerz an seiner Quelle zu unterbinden.

Also, wann ist eine Operation notwendig?

Wenn trotz aller angewandten nicht-chirurgischen Behandlungen die Schmerzen monatelang nicht vergehen, wenn die Gehstrecke des Patienten so stark verkürzt ist, dass er sogar im Haus Schwierigkeiten hat, wenn in den Beinen oder im Sprunggelenk ein fortschreitender Kraftverlust (Fußheberschwäche) begonnen hat, oder wenn sehr dringende Anzeichen von Nervenschäden wie Harn-/Stuhlinkontinenz vorliegen, dann wird ein chirurgischer Eingriff (eine Operation) unausweichlich und zur einzigen rettenden Option.

Unser grundlegendes Ziel bei der chirurgischen Behandlung ist es, die eingeklemmten Nerven zu entlasten (Dekompression) und die mechanische Ausrichtung der Wirbelsäule dauerhaft zu korrigieren, indem die gegleitenen Wirbel mit Titanschrauben (in der Bevölkerung als „Platin“ bezeichnet) fixiert werden. Heutzutage werden Wirbelgleiten-Operationen mit modernen mikrochirurgischen Techniken, Neuromonitoring-Systemen (sofortige Überwachung der Nerven während der Operation) und fortschrittlichen Methoden der Wirbelsäulenstabilisierung äußerst sicher und mit recht hohen Erfolgs- und Patientenzufriedenheitsraten durchgeführt.

Denken Sie daran: Rückenschmerzen sind die Art Ihres Körpers, Ihnen zu sagen, „etwas geht schief“. Anstatt sich daran zu gewöhnen, mit Ihren Schmerzen zu leben, mit Hörensagen-Informationen Zeit zu verlieren oder sich von unbefugten Personen den Rücken „einrenken“ zu lassen, sollten Sie unbedingt einen Facharzt für Gehirn-, Rückenmark- und Nervenchirurgie (Neurochirurgie) aufsuchen, um die wahre Ursache des Problems zu finden und eine wissenschaftliche, dauerhafte Lösung herbeizuführen.

Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu, Facharzt für Neurochirurgie, İzmir

Haftungsausschluss: Dieser Text wurde ausschließlich zum Zweck der Aufklärung der Öffentlichkeit und der Schaffung von Bewusstsein erstellt und ersetzt in keiner Weise eine professionelle medizinische Diagnose, Untersuchung oder Behandlungsempfehlung; bei gesundheitlichen Problemen sollten Sie unbedingt einen Facharzt aufsuchen.

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