Ist Hardware (eine Verschraubung) bei Wirbelsäulenoperationen ein Muss? Ist eine Operation ohne Schrauben möglich?

Rücken- und Wirbelsäulenbeschwerden gehören heutzutage zu den Hauptproblemen, die die Lebensqualität vieler Menschen mindern. Für Patienten, die mit Beschwerden wie starken Rückenschmerzen, ins Bein ausstrahlenden Taubheitsgefühlen oder Gehschwierigkeiten einen Arzt aufsuchen, ist eine der größten Ängste die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs. Insbesondere von Mund zu Mund verbreitete Aussagen wie „eine Platte in den Rücken einsetzen“, „Operation mit Schrauben“ oder „wenn ich operiert werde, sind meine Bewegungen eingeschränkt“ können für Patienten ziemlich beunruhigend sein.

Ist es also bei jeder Rückenbeschwerde zwingend notwendig, Schrauben in die Wirbelsäule einzusetzen? Oder kann eine Rückenoperation auch ohne Schrauben durchgeführt werden?

Die kurze Antwort: Ja, entgegen der landläufigen Meinung können viele Rückenoperationen vollständig ohne Schrauben und ohne den Einsatz von Hardware durchgeführt werden. Werfen wir einen genaueren Blick auf die Einzelheiten dieses wichtigen Themas in der Wirbelsäulenchirurgie, auf die Situationen, in denen eine schraubenlose Operation bevorzugt wird, und auf die Vorteile, die sie dem Patienten bietet.

Was ist eine schraubenlose Rückenoperation (nicht-instrumentierte Chirurgie)?

Chirurgische Eingriffe, bei denen keine Implantate aus Titan oder speziellen Legierungen wie Schrauben, Stäbe (Rods) oder Cages verwendet werden – in der medizinischen Fachsprache als „Instrumentierung“ bezeichnet –, werden im Volksmund als schraubenlose Rückenoperation bezeichnet. Das grundlegende Ziel dieser Operationen ist es, ausschließlich in das die Beschwerden verursachende Gewebe (zum Beispiel einen geplatzten Bandscheibenvorfall) einzugreifen, ohne die natürliche Struktur, die tragende Säule und die Flexibilität der Wirbelsäulenanatomie zu beeinträchtigen.

Dank fortschreitender medizinischer Technologien und mikrochirurgischer Techniken ist es heute möglich, die Muskeln und Knochen rund um die Wirbelsäule nur minimal zu berühren und unter hochvergrößernden Mikroskopen ausschließlich die Bereiche zu befreien, die die Nerven einklemmen.

Bei welchen Erkrankungen kann eine schraubenlose Rückenoperation durchgeführt werden?

Solange die eigene mechanische Struktur und Belastbarkeit der Wirbelsäule intakt sind, ist es nicht notwendig, eine äußere Stütze (Schrauben) hinzuzufügen. Die Situationen, in denen schraubenlose Operationen am häufigsten und sichersten angewandt werden, sind folgende:

Bandscheibenvorfall (Lumbaler Bandscheibenvorfall): Die „Mikrodiskektomie“-Operationen, bei denen das vorgefallene Bandscheibenstück entfernt wird, das die Nervenwurzel einklemmt und Beinschmerzen verursacht, sind heute der Goldstandard und werden vollständig ohne Schrauben durchgeführt.

Leichte bis mittelschwere Spinalkanalstenose (Lumbale Spinalkanalstenose): In Fällen, in denen sich der Kanal, durch den die Nerven verlaufen, altersbedingt verengt, genügt es bei fehlender deutlicher Verschiebung der Wirbelsäule, lediglich den Kanal zu erweitern (Dekompression); dies kann ohne Hardware erfolgen.

Wirbelsäulenzysten und kleine gutartige Tumoren: Bei der Entfernung solcher Raumforderungen, die auf die Nerven drücken, ist eine Verschraubung in der Regel nicht erforderlich, da die Wirbelsäulenstruktur nicht beeinträchtigt wird.

In welchen Fällen ist das Einsetzen von Schrauben (Hardware) in die Wirbelsäule zwingend erforderlich?

Natürlich ist das klinische Bild nicht bei jedem Patienten gleich. Bei manchen Erkrankungen ist die Belastbarkeit und die tragende mechanische Struktur der Wirbelsäule bereits beeinträchtigt oder wird während der Operation zwangsläufig beeinträchtigt werden. In diesen Fällen ist die Stützung der Wirbelsäule mit Titanschrauben und -stäben (Fusionschirurgie) eine medizinische Notwendigkeit, damit die Wirbelsäule des Patienten nicht zusammenbricht und er sich sicher bewegen kann.

Die wichtigsten Situationen, in denen die Verwendung von Schrauben unerlässlich ist, sind:

Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Wenn die Wirbel nach vorne oder hinten übereinander verrutschen, wird die Wirbelsäule „instabil“ (beweglich und unsicher). Um die Wirbelsäule zu stabilisieren, sind Schrauben unerlässlich.

Schwere Wirbelsäulentraumata und -frakturen: Fälle, in denen die Integrität der Wirbelsäule infolge von Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe schwer beeinträchtigt ist.

Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose und Kyphose): Hardware-Systeme werden verwendet, um die Krümmung zu korrigieren und die Wirbelsäule in der richtigen Position zu fixieren.

Fortgeschrittene Wirbelsäulentumoren und -infektionen: In Fällen, in denen ein großer Teil des Wirbelknochens zerstört ist und entfernt werden muss, ist die Schaffung eines neuen tragenden Systems zwingend erforderlich.

Die Vorteile der schraubenlosen Rückenoperation für den Patienten

Wenn Ihr medizinischer Zustand für eine schraubenlose Operation geeignet ist (zum Beispiel eine Bandscheibenoperation mittels Mikrochirurgie), bietet diese Methode den Patienten viele bedeutende Vorteile:

Sehr kleiner Schnitt und geringe Gewebeschädigung: Sie wird durch einen kleinen Schnitt von nur 1,5–2 cm durchgeführt. Die Muskeln werden größtenteils nicht durchtrennt, sondern nur auseinandergeschoben.

Schnelle Genesung und Aufstehen: Patienten können in der Regel bereits wenige Stunden nach der Operation aufstehen und gehen und werden häufig am Tag nach der Operation entlassen.

Erhalt der natürlichen Beweglichkeit: Da die Wirbelsäule nicht mit Schrauben fixiert wird, erfährt der Patient nach der postoperativen Genesungsphase keinerlei Einschränkung bei Bewegungen wie Bücken, Aufstehen, Drehen und Sport treiben.

Weniger Schmerzen: Da weniger in das Muskel- und Knochengewebe eingegriffen wird, sind die postoperativen Wundschmerzen minimal.

Geringes Infektions- und Blutungsrisiko: Dank der angewandten mikrochirurgischen Techniken ist die Operationszeit kurz und die Blutung verschwindend gering.

Fazit

Die Vorstellung „wenn ich am Rücken operiert werde, setzen sie mir bestimmt eine Platte ein, und meine Bewegungen werden mein Leben lang eingeschränkt sein“ hat in der heutigen modernen Wirbelsäulenchirurgie weitgehend ihre Gültigkeit verloren. Mit dem Fortschritt der Technologie und der chirurgischen Erfahrung werden schraubenlose Operationen, die die natürliche Flexibilität der Wirbelsäule erhalten, in geeigneten Fällen äußerst sicher und erfolgreich durchgeführt.

Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es in der Medizin keine Krankheit, sondern nur den Patienten gibt. Welche chirurgische Methode für Sie die richtigste, sicherste und dauerhafteste ist, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt auf Grundlage Ihrer Beschwerden, Ihrer klinischen Untersuchung und detaillierter MRT-/Röntgenuntersuchungen entscheiden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert eine schraubenlose Bandscheibenoperation (Mikrochirurgie)?

Schraubenlose Bandscheibenoperationen, die mit der mikrochirurgischen Methode durchgeführt werden, sind – obwohl sie je nach Lage und Größe des Bandscheibenvorfalls variieren – in der Regel innerhalb von 45 Minuten bis 1 Stunde abgeschlossen.

Wann kann man nach einer schraubenlosen Rückenoperation gehen?

Patienten können meist innerhalb von 3–4 Stunden nach der Operation, gleich nachdem die Wirkung der Narkose nachlässt, ohne Unterstützung aufstehen und gehen.

Sind Operationen mit Hardware sicherer als schraubenlose Operationen?

Nein. Der Erfolg der Operation hängt nicht davon ab, ob Hardware eingesetzt wird oder nicht, sondern davon, dass beim richtigen Patienten die richtige Operationstechnik angewandt wird. Während das Einsetzen von Schrauben bei einem Patienten mit Wirbelgleiten eine zwingende und zuverlässige Methode ist, ist das Einsetzen von Schrauben bei einem Patienten, der nur einen Bandscheibenvorfall hat und dessen Wirbelsäule intakt ist, ein völlig unnötiger Eingriff.

Tritt der Bandscheibenvorfall nach einer schraubenlosen Bandscheibenoperation erneut auf?

Nach jeder Bandscheibenoperation besteht ein durchschnittliches Rezidivrisiko (Wiederauftreten) von 3–5 %. Dieses Risiko hängt weniger davon ab, ob die Operation mit oder ohne Schrauben durchgeführt wird, als vielmehr direkt davon, wie sorgfältig der Patient auf seinen postoperativen Lebensstil achtet (Gewichtskontrolle, kein Heben schwerer Lasten, Bewegung).

Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu — Facharzt für Neurochirurgie, İzmir

Yorum Yazın

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert