Die adhesive Arachnoiditis ist eine chronische Entzündung der Arachnoidea — der mittleren der drei Hirnhäute, die Rückenmark und Nervenwurzeln umhüllen — gefolgt von fortschreitender Vernarbung und Fibrose. Im Verlauf des Prozesses verklumpen die Nervenwurzeln, haften an der Arachnoidea und verlieren ihre normale Beweglichkeit, was zu anhaltenden und häufig schwerwiegenden neurologischen Funktionsstörungen führt.
Wie Entwickelt Sie Sich?
Der Prozess beginnt mit einem entzündlichen Auslöser, der die Bildung von Narbengewebe anregt. Mit der Zeit bündeln sich die Nervenwurzeln entweder zu einem zentralen Knäuel oder heften sich an die Wände des Duralsacks. In der MRT werden drei klassische Muster unterschieden: Typ 1, bei dem die Nervenwurzeln zentral zusammenklumpen („leerer Sack“-Erscheinung); Typ 2, bei dem die Wurzeln an der Peripherie des Duralsacks anhaften; und Typ 3, der eine solide fibrotische Masse darstellt, die den Subarachnoidalraum vollständig ausfüllt.
Ursachen
Die wichtigsten Ursachen umfassen:
- Iatrogen: Intrathekale Kontrastmittel (Myelographie), epidurale oder intrathekale Injektionen, Wirbelsäulenchirurgie
- Infektiös: Tuberkulöse Meningitis, bakterielle oder virale Meningitis
- Traumatisch: Rückenmarksverletzungen, Komplikationen der Lumbalpunktion
- Chemisch: Intrathekale Kortikosteroidkristalle, bestimmte Anästhetika
- Idiopathisch: Bei einem erheblichen Anteil der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen
Symptome
Die Erkrankung manifestiert sich am häufigsten im unteren Rücken und in den Beinen, obwohl eine thorakale oder zervikale Beteiligung auch die oberen Extremitäten beeinträchtigen kann. Die am häufigsten berichteten Beschwerden sind:
- Chronische, brennende oder stromschlagartige Schmerzen
- Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schwäche in den Gliedmaßen
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen
- Sexuelle Dysfunktion
- Erhebliche Einschränkungen beim Sitzen und Gehen
- Kopfschmerzen bei gestörter Liquorzirkulation
Die Symptome verlaufen typischerweise asymmetrisch und wechselhaft, mit Phasen der Verschlechterung im Wechsel mit relativer Stabilität.
Diagnose
Die T2-gewichtete MRT gilt als Goldstandard. Die normale fächerartige Anordnung der Nervenwurzeln ist durch Verklumpung oder periphere Anheftung ersetzt. Phasenkontrastmessungen oder Myelographie können ergänzend zur Beurteilung der Liquordynamik eingesetzt werden. Elektrophysiologische Untersuchungen (EMG/NLG) können funktionelle Nervenschäden unterstützend belegen.
Behandlung
Eine kurative Therapie existiert derzeit nicht; alle verfügbaren Ansätze zielen auf das Symptommanagement ab.
- Schmerztherapie: Neuropathische Wirkstoffe (Gabapentin, Pregabalin), Opioide, TENS
- Interventionell: Rückenmarkstimulation, intrathekale Medikamentenpumpen
- Rehabilitation: Physiotherapie, Aquatherapie
- Experimentell: Antiinflammatorische Protokolle, Hyaluronidase-Injektionen (begrenzte Evidenz)
Prognose
Die adhesive Arachnoiditis verläuft in der Regel progredient, wobei das Fortschreiten der Erkrankung von Person zu Person erheblich variiert. Eine frühzeitige Diagnose und angemessenes Symptommanagement können die Lebensqualität deutlich verbessern. Angesichts der chronischen Schmerzen und funktionellen Einschränkungen stellt die Erkrankung eine erhebliche psychosoziale Belastung dar, weshalb ein multidisziplinärer Behandlungsansatz unerlässlich ist.