Ein mykotisches Aneurysma ist eine Art von Aneurysma, das infolge einer Infektion entsteht, die die Gefäßwand schwächt. Sein Name kann irreführend sein: Obwohl das Wort „mykotisch“ an einen Pilz denken lässt, entwickelt sich die überwiegende Mehrheit dieser Aneurysmen aufgrund bakterieller und nicht pilzbedingter Infektionen. Aus diesem Grund bevorzugen viele Ärzte heute den treffenderen Begriff „infektiöses Aneurysma“. Der Begriff entstand ursprünglich aus der Ähnlichkeit der infizierten Läsionen in der Gefäßwand mit dem Hut eines Pilzes.
Sein Mechanismus ist folgender: Mikroorganismen (meist Bakterien), die in den Blutkreislauf gelangen, setzen sich in der Gefäßwand fest, wo sie eine Entzündung und Zerstörung verursachen. Diese Zerstörung beeinträchtigt die strukturelle Integrität der Gefäßwand, und in der Region, in der die Wand geschwächt ist, entwickelt sich eine Ausbuchtung, also ein Aneurysma. Die am häufigsten anzutreffende Quelle ist die infektiöse Endokarditis, eine Infektion der Herzklappen; in diesem Fall können infizierte Fragmente, die sich von der Klappe lösen (septische Embolien), die Hirngefäße erreichen und dort ein infektiöses Aneurysma bilden.
Es weist einige wichtige Unterschiede zu klassischen Hirnaneurysmen auf. Während klassische (sakkuläre) Aneurysmen typischerweise an den Hauptverzweigungsstellen der Gefäße und an der Schädelbasis lokalisiert sind, werden mykotische Aneurysmen häufiger in den endständigen (distalen) Ästen der Gefäße, in oberflächennahen Regionen des Gehirns, gesehen. Darüber hinaus ist ihre Form im Allgemeinen unregelmäßiger und fusiform, und sie haben keinen schmalen Hals. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, dass sich ihre Größe und Anzahl, da sie mit einer Infektion zusammenhängen, rasch ändern können; sie können sich unter Behandlung verkleinern und verschwinden oder innerhalb kurzer Zeit wachsen.
Der grundlegende Behandlungsansatz besteht darin, zunächst die zugrunde liegende Infektion mit einer angemessenen und ausreichend langen Antibiotikatherapie unter Kontrolle zu bringen. Viele infektiöse Aneurysmen können sich unter wirksamer Antibiotikabehandlung zurückbilden. Wenn das Aneurysma jedoch rupturiert ist, trotz Antibiotika weiter wächst oder ein hohes Blutungsrisiko birgt, ist ein chirurgischer oder endovaskulärer Eingriff erforderlich. Der Behandlungsplan wird individuell festgelegt, zusammen mit dem Allgemeinzustand des Patienten, der Lage des Aneurysmas und dem Verlauf der Infektion.
Zusammenfassend ist ein mykotisches Aneurysma eine sekundäre Art von Aneurysma, das nicht direkt aus der Gefäßwand selbst, sondern aus einer Infektion hervorgeht. Aus diesem Grund erfordern seine Bewertung und Behandlung einen multidisziplinären Ansatz sowohl aus neurochirurgischer als auch aus infektiologischer Sicht.