Taubheitsgefühl in der Hand ist eine der häufigsten Beschwerden, die Menschen in die Sprechstunde führen, und es löst verständlicherweise oft Beunruhigung aus. Dabei ist der weitaus größte Teil dieser Beschwerden völlig harmlos. Wenn man auf dem eigenen Arm liegt, den Ellbogen lange auf eine harte Fläche stützt oder die Hand in gebeugter Stellung hält, werden die zur Hand führenden Nerven vorübergehend unter Druck gesetzt; sobald sich die Position ändert, normalisieren sich Durchblutung und Nervenleitung wieder, und die Taubheit verschwindet innerhalb weniger Minuten von selbst. Eine solche kurzzeitige, nicht wiederkehrende Taubheit ohne begleitende Symptome ist fast nie ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Worauf es wirklich ankommt, ist der Zeitpunkt, an dem diese Grenze überschritten wird – also der Punkt, an dem die Taubheit aufhört, „ein vorübergehendes Gefühl“ zu sein, und sich in ein Warnsignal verwandelt.
Warum ist es wichtig, welcher Finger taub ist?
Um diese Unterscheidung treffen zu können, ist es hilfreich, sich zunächst daran zu erinnern, was Taubheit eigentlich bedeutet. Ein Gefühl von Taubheit, Kribbeln, Nadelstichen oder Brennen in der Hand oder den Fingern wird in der Medizin als Parästhesie bezeichnet und ist im Grunde ein Hinweis darauf, dass die Nervenleitung an irgendeiner Stelle gestört ist. Hier gibt es einen sehr wertvollen Hinweis: Die Empfindung der Hand wird nicht von einem einzigen Nerv getragen, sondern von verschiedenen Nerven, von denen jeder für einen bestimmten Bereich der Hand zuständig ist. Aus diesem Grund verrät die Frage, welche Finger taub sind, häufig schon im Untersuchungsstadium die Quelle des Problems. Taubheit im Daumen, Zeige- und Mittelfinger lässt an den Medianusnerv denken, der das Handgelenk durchquert, während Taubheit im Ring- und kleinen Finger auf den Ulnarisnerv am Ellbogen hinweist; Taubheit, die sich diffus über die Finger ausbreitet, in den Arm ausstrahlt und sich mit Bewegungen des Halses verändert, deutet darauf hin, dass das Problem ganz oben in der Halswirbelsäule entsteht. Mit anderen Worten: Wenn ein Patient sagt „Meine Hand ist taub“, will der Arzt als Erstes meist wissen, wo genau in der Hand die Taubheit sitzt.
Wann ist Taubheit in der Hand gefährlich?
Ob Taubheit gefährlich ist, bestimmt nicht ihr bloßes Vorhandensein, sondern ihr Charakter und die sie begleitenden Befunde. Im Gegensatz zur vorübergehenden Taubheit muss eine Taubheit, die seit Wochen anhält, stetig schlimmer wird, sich mit der Zeit auf ein größeres Gebiet ausbreitet oder mit einem Kraftverlust in der Hand einhergeht, mit Aufmerksamkeit behandelt werden. Zu bemerken, dass die Hand schwächer geworden ist, dass Gegenstände aus der Hand zu rutschen beginnen oder dass die Greifkraft nachgelassen hat, ist eine wichtige Schwelle – denn es zeigt, dass nicht nur die sensorischen Fasern des Nervs, sondern auch die motorischen Fasern, die die Muskeln steuern, betroffen sind. Ebenso sollte eine Taubheit, die einen nachts häufig aufweckt und einen dazu bringt, die Hände zur Erleichterung zu schütteln, nicht unterschätzt werden; dieses Bild ist der typischste Verlauf des Karpaltunnelsyndroms, und unbehandelt kann es mit der Zeit bis zum Schwund des Muskels am Daumenansatz fortschreiten – also zu einem dauerhaften Verlust.
Manche Situationen jedoch können nicht einmal auf eine geplante Untersuchung warten; sie erfordern, direkt in die Notaufnahme zu gehen:
- Eine plötzlich, insbesondere einseitig beginnende Taubheit, begleitet von Sprachstörungen, einem Herabhängen des Gesichts, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen (kritisch im Hinblick auf einen Schlaganfall).
- Das Hinzukommen plötzlicher Kopfschmerzen von einer nie zuvor erlebten Heftigkeit.
- Taubheit, die im linken Arm auftritt, begleitet von Brustschmerzen, Atemnot und kaltem Schweiß (ein kardialer Notfall).
Hinzuzufügen ist noch: Taubheit allein in der linken Hand hat ihre Ursache meist nicht im Herzen, sondern in einer nervlichen Ursache. Gefährlich macht sie nicht die Taubheit selbst, sondern diese sie begleitenden zusätzlichen Symptome.
Die häufigsten Ursachen
Abseits dieser Warnzeichen – also bei nicht akuter, aber hartnäckig anhaltender Taubheit – liegen meist verschiedene Ursachen zugrunde. Die am häufigsten anzutreffende Gruppe sind Nervenengpässe. An erster Stelle steht hier das Karpaltunnelsyndrom, das durch eine Einklemmung des Medianusnervs am Handgelenk entsteht und besonders bei Computernutzern, bei Menschen mit Handarbeit und bei Schwangeren vorkommt. Das Kubitaltunnelsyndrom, das durch eine Einklemmung des Ulnarisnervs auf Höhe des Ellbogens entsteht, verursacht Taubheit im Ring- und kleinen Finger; wenn dagegen eine Bandscheibe zwischen den Halswirbeln auf eine Nervenwurzel drückt – also ein Bandscheibenvorfall im Halsbereich – führt dies zu einem Bild aus Taubheit und Schmerz, das sich sowohl auf die Finger als auch ausstrahlend in den Arm erstreckt.
Es wäre allerdings irreführend, Taubheit in der Hand jedes Mal auf einen Nervenengpass zurückzuführen. Eine diabetische Neuropathie infolge einer Zuckerkrankheit erzeugt meist eine handschuhförmige Taubheit an beiden Händen; Vitaminmängel – allen voran B12 sowie Folat, B6 und Vitamin D – stören die Nervenleitung und verursachen ähnliche Beschwerden. Daher sollte man nicht vergessen, dass bei lange anhaltender Taubheit unklarer Ursache schon eine einfache Blutuntersuchung wegweisend sein kann. Schilddrüsenstörungen, Erkrankungen, die die Nervenscheide betreffen, wie die Multiple Sklerose, sowie Durchblutungsstörungen sind ebenfalls wichtige Punkte auf der Liste.
Was geschieht, wenn es unbehandelt bleibt?
Allen diesen Ursachen ist gemeinsam, dass sie dazu neigen, fortzuschreiten, wenn sie nicht rechtzeitig angegangen werden. Ein Nervenengpass, der zunächst nur wie ein lästiges Kribbeln erscheint, kann sich unbehandelt in einen dauerhaften Nervenschaden und Muskelschwund verwandeln; ab diesem Punkt ist es selbst bei einer chirurgischen Korrektur nicht immer möglich, dass die Hand ihre frühere Funktion vollständig wiedererlangt. Die Vernachlässigung eines Bandscheibenvorfalls im Halsbereich, der auf das Rückenmark drückt, kann zu schweren neurologischen Ausfällen führen, während das Fortbestehen unbehandelter Vitaminmängel den Nervenschaden vertieft. Genau hier liegt der Wert der frühen Diagnose bei Taubheit in der Hand: In den meisten Fällen ist das, was verloren geht, die Zeit, und vieles, was bei frühem Handeln wiedererlangt werden könnte, wird bei Verzögerung dauerhaft.
Diagnose und Behandlung
Die richtigsten Anlaufstellen für diese Beschwerde sind die Abteilungen für Neurochirurgie und Neurologie. Besteht der Verdacht auf einen Nervenengpass oder einen Bandscheibenvorfall im Halsbereich, werden nach einer ausführlichen Untersuchung eine EMG-Untersuchung zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und bei Bedarf eine MRT-Bildgebung angefordert; dadurch werden sowohl der Ort als auch die Schwere des Problems geklärt. Die Behandlung richtet sich stets nach der Ursache und hat kein einheitliches Rezept. Bei leichten und mechanisch bedingten Zuständen sorgen das Halten von Hand und Handgelenk in der richtigen Position, das Tragen einer Ruheschiene besonders nachts, das Vermeiden wiederholter Belastungen, Physiotherapie und geeignete Übungen oft für deutliche Linderung. Liegt ein Vitaminmangel vor, ist dessen Ausgleich, liegt eine Zuckerkrankheit vor, die Kontrolle des Blutzuckers ein untrennbarer Bestandteil der Behandlung. Eine Operation kommt nur bei fortgeschrittenen Nervenengpässen oder bei Bandscheibenvorfällen im Halsbereich, die auf das Rückenmark drücken, in Betracht, und auch diese Entscheidung muss durch eine gemeinsame Bewertung aller Untersuchungs- und Befundergebnisse des Patienten getroffen werden.
Zusammenfassend
Letztlich ist Taubheit in der Hand meist ein gewöhnliches Gefühl, das kommt und geht; manchmal aber ist sie eine Warnung, die der Körper still aussendet. Über eine Taubheit, die innerhalb weniger Minuten vergeht, nicht wiederkehrt und für sich allein auftritt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Eine Taubheit hingegen, die Ihr tägliches Leben beeinträchtigt, Sie nachts aufweckt, stetig zunimmt oder gemeinsam mit Kraftverlust und anderen neurologischen Symptomen auftritt, sollte nicht aufgeschoben werden. Wenn Sie solche Beschwerden haben, ist es der richtigste Schritt, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache korrekt zu bestimmen und einen auf Sie zugeschnittenen Behandlungsplan zu erstellen – sowohl zur Lösung Ihres aktuellen Leidens als auch zur Vermeidung dauerhafter Schäden.
Medizinischer Hinweis: Dieser Text wurde ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken erstellt und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenden Sie sich zur Diagnose und Behandlung Ihrer Beschwerden unbedingt an eine medizinische Einrichtung.