Was ist Anämie?

Anämie ist ein Zustand, bei dem das Blut nicht genügend gesunde rote Blutkörperchen oder Hämoglobin enthält. Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen, das Sauerstoff von der Lunge zu allen Geweben im Körper transportiert. Wenn der Hämoglobinspiegel sinkt, können Organe und Gewebe den benötigten Sauerstoff nicht mehr aufnehmen — was zu Müdigkeit, Schwäche und einer Reihe weiterer Symptome führt. Anämie ist eine der häufigsten Bluterkrankungen weltweit und kann Menschen jeden Alters betreffen.

Was sind die Symptome einer Anämie?

Die Symptome einer Anämie können von leicht bis schwer reichen. Die am häufigsten auftretenden sind:

Müdigkeit und Schwäche: Da der Körper nicht genug Sauerstoff erhält, entsteht ein anhaltendes Erschöpfungsgefühl. Selbst alltägliche Aktivitäten können sich anstrengend anfühlen.

Blasse oder gelbliche Haut: Mit sinkender Anzahl roter Blutkörperchen erscheinen Haut, Lippen und die Innenseite der Augen blasser als gewöhnlich.

Kurzatmigkeit: Schon bei leichter körperlicher Anstrengung kann Atemnot auftreten.

Herzrasen: Das Herz arbeitet schneller und stärker, um den Sauerstoffmangel auszugleichen.

Kopfschmerzen und Schwindel: Eine verringerte Sauerstoffversorgung des Gehirns kann diese Symptome auslösen.

Kalte Hände und Füße: Eine durch die niedrige Anzahl roter Blutkörperchen beeinträchtigte Durchblutung kann dazu führen, dass Hände und Füße merklich kalt wirken.

Konzentrationsschwierigkeiten: Wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, können Fokus und Aufmerksamkeit beeinträchtigt sein.

Was verursacht Anämie?

Anämie hat viele verschiedene Ursachen, die sich grob in drei Gruppen einteilen lassen:

Verminderte Produktion roter Blutkörperchen: Eisen-, Vitamin-B12- oder Folatmangel; Knochenmarkerkrankungen; chronische Nierenerkrankung und bestimmte chronische Infektionen können die Fähigkeit des Körpers zur Bildung roter Blutkörperchen beeinträchtigen.

Beschleunigter Abbau roter Blutkörperchen: Erbliche Erkrankungen wie Sichelzellanämie, bestimmte Medikamente oder Autoimmunerkrankungen können dazu führen, dass rote Blutkörperchen viel früher als normal abgebaut werden.

Blutverlust: Starke Menstruationsblutungen, Magen-Darm-Blutungen, Operationen oder Verletzungen können zu erheblichem Blutverlust führen und eine Anämie begünstigen.

Welche Arten von Anämie gibt es?

Eisenmangelanämie: Die häufigste Form. Wenn die Eisenspeicher des Körpers erschöpft sind, sinkt die Hämoglobinproduktion. Mangelernährung, chronische Blutungen und Schwangerschaft gehören zu den häufigsten Ursachen.

Vitamin-B12- und Folatmangelanämie: Beide Vitamine sind für die Bildung roter Blutkörperchen unerlässlich. Unzureichende Zufuhr oder schlechte Aufnahme führt zur Bildung großer, funktionsuntüchtiger Blutzellen — ein Zustand, der auch als megaloblastische Anämie bezeichnet wird.

Anämie bei chronischen Erkrankungen: Bei Langzeiterkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Krebs oder chronischer Nierenerkrankung wird die Eisenverwertung des Körpers gestört und die Produktion roter Blutkörperchen verlangsamt.

Sichelzellanämie: Eine Erbkrankheit, bei der rote Blutkörperchen eine abnormale Sichelform annehmen, Blutgefäße blockieren und schnell abgebaut werden.

Aplastische Anämie: Eine seltene, aber schwerwiegende Form, bei der das Knochenmark nicht genügend Blutzellen produziert.

Hämolytische Anämie: Eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen rote Blutkörperchen viel schneller zerstört werden, als sie ersetzt werden können.

Wie wird Anämie diagnostiziert?

Anämie wird in der Regel mit einem einfachen Blutbild (großes Blutbild) diagnostiziert. Dieser Test misst den Hämoglobinspiegel, die Anzahl der roten Blutkörperchen und ihre Größe. Bei Bedarf werden zusätzliche Bluttests angeordnet — darunter Eisen, Ferritin, Vitamin B12, Folat und Retikulozytenzahl —, um die Art und die zugrunde liegende Ursache der Anämie zu bestimmen. In einigen Fällen kann eine Knochenmarkbiopsie erforderlich sein.

Wie wird Anämie behandelt?

Die Behandlung hängt vollständig von der zugrunde liegenden Ursache ab:

Bei Eisenmangelanämie werden Eisenpräparate verschrieben und eisenreiche Lebensmittel (rotes Fleisch, Linsen, Spinat, Nüsse) empfohlen. In schweren Fällen kann eine intravenöse Eiseninfusion verabreicht werden.

Bei Vitamin-B12- und Folatmangel werden die entsprechenden Supplemente oral oder per Injektion gegeben.

Bei Anämie durch chronische Erkrankungen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei Bedarf können Erythropoetin-Injektionen oder Bluttransfusionen eingesetzt werden.

Bei erblichen Anämien kommen je nach Typ Medikamente, Bluttransfusionen oder — in fortgeschrittenen Fällen — eine Knochenmarktransplantation in Betracht.

Wann wird Anämie gefährlich?

Eine leichte Anämie kann oft ohne spürbare Beschwerden verlaufen. Unbehandelt kann sie sich jedoch im Laufe der Zeit verschlimmern und ernsthafte Komplikationen wie Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Organschäden verursachen. Während der Schwangerschaft kann Anämie sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des Kindes gefährden. Bei starker Müdigkeit, Atemnot, Herzrasen oder Ohnmachtsgefühlen sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Kann Anämie vorgebeugt werden?

Nicht alle Formen der Anämie sind vermeidbar, ernährungsbedingte Anämie kann jedoch weitgehend verhindert werden:

Essen Sie regelmäßig eisenreiche Lebensmittel — rotes Fleisch, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte und dunkelgrünes Blattgemüse. Verzehren Sie vitamin-C-reiche Lebensmittel zusammen mit diesen, um die Eisenaufnahme zu verbessern. Frauen mit besonders starken Menstruationsblutungen sollten von einem Gynäkologen untersucht werden. Eine Folat- und Eisenergänzung vor und während der Schwangerschaft ist wichtig.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Es wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie eines der folgenden Merkmale bemerken: unerklärliche, anhoudende Müdigkeit; Atemnot oder Herzrasen; blasse, gelbliche oder gräuliche Hautfarbe; häufiger Schwindel oder Ohnmacht; ungewöhnliche Gelüste auf Eis, Erde oder andere Nicht-Lebensmittel (ein Zeichen, das als Pica bekannt ist); oder übermäßig starke Menstruationsblutungen.

Dieser Inhalt wurde ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken erstellt. Bitte wenden Sie sich bei Ihren Beschwerden an eine medizinische Einrichtung.