Was sind die Ursachen für anhaltende Rückenschmerzen? Eine harmlose Verspannung oder ein Warnsignal?

Mit einem steifen Rücken aufzuwachen oder mitten am Tag jenen vertrauten Schmerz zwischen den Schulterblättern zu spüren, ist für viele von uns zur Gewohnheit geworden. Rückenschmerzen – eines der häufigsten Beschwerdebilder, dem wir in der Sprechstunde nach Lenden- und Nackenbeschwerden begegnen – werden meist als Müdigkeit, Kälteeinwirkung oder Zugluft abgetan. Dabei ist der Rückenbereich, den wir in der Medizin „Brustwirbelsäule“ oder „thorakale Region“ nennen, eine anatomisch hochkomplexe Struktur, und die Schmerzen, die hier auftreten, können mitunter Botschaften übermitteln, die weit über eine einfache Muskelverspannung hinausgehen.

Was also sind die wahren Ursachen dieser Schmerzen, die über Tage anhalten und sich weder durch Massage noch durch Ruhe lindern lassen? Lesen wir gemeinsam die Signale, die Ihre Wirbelsäule Ihnen zu senden versucht.

Haltungsfehler und Muskelknoten (myofasziale Triggerpunkte)

Der häufigste Verursacher von Rückenschmerzen ist die asymmetrische Belastung des Bewegungsapparats. Stundenlanges, gebeugtes Sitzen am Schreibtisch, nach vorne fallende Schultern vor dem Bildschirm oder das ständige Tragen einer schweren Tasche auf nur einer Schulter setzen die großen Rückenmuskeln – etwa den Trapezius und die Rhomboiden – einer unaufhörlichen Anspannung aus. Diese chronische Verspannung stört die Durchblutung zwischen den Muskelfasern und führt zur Bildung myofaszialer Triggerpunkte (Muskelknoten), umgangssprachlich auch „Verspannungen“ oder „Hartspann“ genannt. Diese Punkte, die rund um oder direkt unterhalb der Schulterblätter spürbar sind und bei Druck heftig schmerzen, werden zu einer dauerhaften Schmerzquelle, solange die Körperhaltung nicht korrigiert wird.

Wenn Nackenprobleme in den Rücken ausstrahlen

Interessanterweise stellen wir bei einem erheblichen Teil der Patienten, die mit Rückenschmerzen zu uns kommen, fest, dass das eigentliche Problem nicht im Rücken, sondern im Nacken liegt. Wenn Erkrankungen wie ein Verlust der Halswirbelsäulenkrümmung oder ein Bandscheibenvorfall im Nacken (zervikaler Bandscheibenvorfall) die Nervenwurzeln einklemmen, die aus dem Rückenmark austreten und in Richtung Rücken verlaufen, strahlt der Schmerz direkt in den Bereich zwischen den Schulterblättern aus. Dieses Bild wird häufig von Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Armen oder einem Schweregefühl im Schulterbereich begleitet.

Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule und Arthrose der Wirbelsäule (Osteoarthrose)

Da der Rückenbereich (Brustwirbelsäule) mit dem Brustkorb verbunden ist, ist er deutlich unbeweglicher und besser geschützt als Lendenwirbelsäule und Nacken. Aus diesem Grund ist ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule weitaus seltener als Vorfälle im Lenden- und Nackenbereich. Infolge schwerer Verletzungen, Stürze oder lang anhaltender Überbelastung können sich jedoch auch die Bandscheiben zwischen den Brustwirbeln abnutzen und vorfallen. Gürtelförmige Schmerzen, die sich zum Brustkorb, zu den Rippen oder in den Bauchraum ausbreiten, können ein Vorbote eines solchen Bandscheibenvorfalls sein. Andererseits führt der Verschleiß, der sich mit zunehmendem Alter an den Wirbelgelenken entwickelt – also die Arthrose (Verkalkung) –, dazu, dass die Knochen aneinander reiben, und bereitet den Boden für chronische, sich bei Bewegung verstärkende Rückenschmerzen.

Skoliose und Wirbelsäulenverkrümmungen

Wenn die Wirbelsäule, die von hinten betrachtet in gerader Linie verlaufen sollte, sich in Form eines „S“ oder „C“ nach rechts oder links krümmt, sprechen wir von einer Skoliose. Diese Erkrankung, die sich meist während der Pubertät bemerkbar macht, stört in späteren Jahren das Gleichgewicht der Wirbelsäule und führt dazu, dass sich die Muskeln auf der einen Seite überdehnen und auf der anderen Seite schwächen. Im Erwachsenenalter zeigt sie sich als asymmetrische Muskelermüdung und hartnäckige Rückenschmerzen.

Stress, Angst und Fibromyalgie

Der Rücken ist gleichsam ein Speicher, in dem wir auch unsere emotionalen Lasten tragen. In Momenten intensiven Stresses und intensiver Angst schaltet der Körper in den „Kampf-oder-Flucht“-Modus und spannt unwillkürlich die Muskeln an – insbesondere die der Schultern und des Rückens. Anhaltender Stress kann diese Verspannung dauerhaft machen. Darüber hinaus ist die Fibromyalgie – auch als Weichteilrheumatismus bekannt – durch Schlafstörungen und weitverbreitete Körperschmerzen gekennzeichnet, und der Rückenbereich gehört zu den Stellen, an denen diese Schmerzen am intensivsten empfunden werden.

„Übertragene Schmerzen“, die nicht übersehen werden dürfen

Eines der Dinge, denen ein Arzt bei der Beurteilung von Rückenschmerzen die größte Aufmerksamkeit schenkt, sind Probleme, die von den inneren Organen ausgehen, denn nicht alle Rückenschmerzen haben ihren Ursprung in der Wirbelsäule oder den Muskeln.

Herzerkrankungen können sich, besonders bei Frauen, nicht als Brustschmerz, sondern als erstes Anzeichen eines Herzinfarkts äußern: ein plötzlicher, drückender Rückenschmerz, der in das linke Schulterblatt einschießt. Probleme der Lunge und des Lungenfells (der Pleura) – eine Lungenentzündung oder eine Rippenfellentzündung – können beim tiefen Einatmen und Husten zu scharfen, stechenden Rückenschmerzen führen. Erkrankungen der Gallenblase und des Magens hinterlassen eine andere Spur: Gallensteine oder Entzündungen strahlen häufig unterhalb des rechten Schulterblatts aus, während Magengeschwüre entlang der Mittellinie des Rückens spürbar sein können.

Osteoporose (Knochenschwund) und Kompressionsfrakturen

Osteoporose, die besonders bei Frauen nach den Wechseljahren und bei älteren Menschen auftritt, lässt die Knochen stillschweigend schwächer werden. Mit abnehmender Knochendichte können in den Brustwirbeln schon bei der geringsten Belastung Kompressionsfrakturen entstehen – manchmal durch nichts weiter als einen heftigen Husten. Dieser Zustand führt zu plötzlichen, sehr starken Rückenschmerzen und mit der Zeit zu Größenverlust und einem gekrümmten Rücken (Kyphose).

Wann sollten Sie dringend einen Facharzt aufsuchen?

Wenn Ihre Rückenschmerzen nach einigen Tagen Ruhe abklingen, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Geht Ihr Schmerz jedoch mit einem der folgenden „Warnzeichen“ (Red Flags) einher, ist es lebenswichtig, dass Sie unverzüglich einen Facharzt für Neurochirurgie aufsuchen:

  • Der Schmerz verstärkt sich nachts und weckt Sie aus dem Schlaf,
  • Sie verspüren Kraftverlust, Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Beinen,
  • Sie hatten kürzlich einen Unfall oder einen Sturz (Trauma),
  • Sie leiden unter unerklärlichem Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß,
  • Der Schmerz verstärkt sich beim Atmen oder breitet sich in Richtung Brust aus.

Denken Sie daran: Eine frühe und korrekte Diagnose verhindert, dass Rückenschmerzen zu einer chronischen Qual werden, und hilft Ihnen, Ihre Lebensqualität rasch zurückzugewinnen. Hören Sie auf die Stimme Ihrer Wirbelsäule.

Prof. Dr. Mehmet Şenoğlu — Facharzt für Neurochirurgie, İzmir


Medizinischer Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich der Information und ersetzen weder die Untersuchung durch einen Facharzt noch eine medizinische Diagnose oder Behandlung. Für eine sichere Diagnose und einen auf Sie zugeschnittenen Behandlungsplan im Hinblick auf Ihre Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Facharzt für Neurochirurgie.

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